Freitag, 3. Juni 2016

Sauber! Das Milchhäusl im Englischen Garten macht mit bei der Aktion "Coffee to go again" der Münchner Studentin Julia Post.

Hello again!
Hier gibt's "Coffee to go again" ...

Milchhäusl erkannt? Dachten wir uns. Schaut's mal wieder vorbei - Hängematten, Radler, Spielplatz und Monaco Franze warten auf euch. Aber vielleicht steckt ihr euch daheim noch einen Thermobecher ein. Denn am Kultkiosk im Englischen Garten gibt's jetzt "Coffee to go again". Den hat die Münchner Studentin Julia Post erfunden. Von ihr stammt das grüne Logo rechts oben im Bild, das verrät, welche Läden in München bei ihrer Aktion mitmachen. Im Interview erzählt uns Julia, wie es dazu kam und wie ihr bei eurem Kaffeetscherl Geld sparen könnt.

Verrückt nach München: Sag mal, Julia: W
as hast du eigentlich für ein Problem mit Coffee to go?

Julia Post:
Für viele Leute ist Essen und Trinken "auf die Schnelle" unterwegs ja eine echte Unkultur. Ich komme als gelernte Hotelfachfrau selbst aus der Gastronomie. Da ist auch mir die "Wirtshauskultur" ein Anliegen. Und die lebt von einem netten Plausch zum Beispiel zwischen Barista und dem Gast, der am Tresen seinen Espresso genießt und nicht gleich damit abhaut. Aber das nur am Rande...


Nach durchschnittlich 15 Minuten füllen Kaffeebecher die Abfalleimer der Stadt.
Not welcome!
Das eigentliche Problem ist der enorme Ressourcen-Verbrauch und die Belastung für die Umwelt, die damit einhergeht: Für die Pappbecher müssen jährlich unzählige Bäume gefällt werden. Die Produktion braucht viel Wasser und Strom und erzeugt damit Unmengen an CO2-Emissionen. Nach durchschnittlich 15 Minuten landet der Becher dann im Müll. Meist im öffentlichen Müll. Und von dort aus geht er in die Verbrennungsanlage und kann nicht recycelt werden.

Der Pappbecher ist innen mit Kunststoff beschichtet. Und wir kennen ja auch all die Dinge, die den Coffee to go begleiten: Plastikdeckel, Plastik-Rührstäbchen, vielleicht noch eine Manschette als Hitzeschutz und die Tragehilfe. Das viele Plastik landet klein gerieben dann als Mikroplastik in unseren Weltmeeren, woran Fische und Vögel verenden und von dort aus auch wieder in unsere Nahrung gelangt. Bei einem Coffee to go handelt es sich um kein lebensnotwendiges Konsumgut - der Ressourcen-Verbrauch und die Umweltbelastung stehen da in keinem Verhältnis.

VnM: Wie bist du auf die Idee mit den Aufklebern gekommen?

Auch der Gartensalon macht mit.
Julia: Ich laufe schon lange mit meinem Mehrwegbecher rum und ich habe damit auch immer problemlos einen Coffee to go oder besser gesagt einen Coffee to go again erhalten. Mein Gedanke war dann, dass man noch viel mehr Menschen auf die Idee bringen müsste.

Dafür wollte ich ein eigenes Symbol etablieren, das Logo von Coffee to go again. Mit dem Aufkleber sollen Unternehmen aktiv für den Ausschank im Mehrwegbecher werben. Denn das ist gesetzlich nicht verboten, aber trotzdem noch keine Selbstverständlichkeit.

Eine bekannte große Coffeeshop-Kette gewährt beispielsweise bereits 30 Cent auf den Kaffee, wenn der Gast seinen eigenen Becher mitbringt. Der Hinweis findet sich allerdings nur auf der Webseite des Unternehmens und nicht in den einzelnen Shops. Genau das will ich mit den Aufklebern ändern. So hoffe ich, dass es sich auch immer mehr in das Gedächtnis der Gäste "einbrennt" und für einen neuen Trend sorgt.

VnM: Hattest du Inspiration aus anderen Städten?

Julia: Nein, Coffee to go again ist meine ganz eigene Idee und eine neue Erfindung sozusagen. Und da ist derzeit München Vorreiter: Fast die Hälfte der teilnehmenden Betriebe sind in München und Umgebung zu finden.

VnM: Wie reagieren die Leute und Café-Besitzer?

Julia: Ich erhalte durchweg positives Feedback: Vielen Café-Besitzern ist der Müllberg an Einwegbechern ein echtes Ärgernis und sie sind dankbar, dass etwas dagegen unternommen wird. Und auch die potenziellen Gäste reagieren positiv darauf. Ich erhalte unglaublich viele E-Mails, in denen mir die Leute für mein Engagement danken und die Idee loben. Darüber freue ich mich wirklich sehr. Schließlich habe ich schon viel Zeit und auch Geld in Coffee to go again gesteckt und aus diesen Rückmeldungen ziehe ich meine ganze Motivation.

Immer wieder wird eine Teilnahme aber auch abgelehnt, da es Unsicherheiten bei den Gastronomen gibt, ob das aus hygienischen Gesichtspunkten erlaubt ist. Und diese Reaktion zeigt umso mehr die Notwendigkeit von Coffee to go again!

VnM: Wie viele Münchner Läden machen inzwischen mit?

Julia: Ich nehme die Läden immer erst dann offiziell in meine Teilnehmerliste auf, wenn ich ein "Beweisfoto" erhalten habe. Danach habe ich derzeit 51 teilnehmende Läden in München.

VnM: Und jetzt gibt es auch eine App, richtig?

Julia: Die App ist in Planung und ein wichtiger nächster Schritt. Da ich aber eben kein Unternehmen bin und das alles parallel zu Job und Studium leiste, muss ich dafür noch um Geduld bitten.


Also Kaffee trinken und abwarten...

Apropos Geld: Bei vielen der teilnehmenden Münchner Läden bekommt ihr übrigens
10 bis 15 Prozent Rabatt auf euren Coffee to go again. Es lohnt sich also doppelt.

Sauber, sagen wir. Und merci, Julia!

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